Dienstag, 15. Mai 2017 20 Uhr „68 – Täterkinder und Rebellen“ Lesung und Diskussion mit der Buchautorin Karin Wetterau und Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey, Zeithistorikerin an der Uni Bielefeld in der Buchhandlung „Eulenspiegel“, Hagenbruchstr. 7, Bielefeld

Hunderttausende junger Menschen protestieren in den 1960er Jahren weltweit gegen Rassismus, Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg. In Deutschland sind es die Kinder der NS-Generation, die nach den Jahren des Schweigens und der Verdrängung der nationalsozialistischen Verbrechen aufbegehren, die Gesellschaft verändern wollen und für internationale Solidarität auf die Straße gehen. Die Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 durch einen Westberliner Polizisten wird zum Fanal einer Mobilisierung und Radikalisierung, die über den ursprünglich universitären Rahmen der Studentenbewegung weit hinausgeht und große Teile der Jugend erfasst. Am Ende steht eine veränderte Republik.

68, immer schon Gegenstand heftiger Kritik von „rechts“, ist in den letzten Jahren zur Zielscheibe „linker“ Kritik geworden. Die 68erInnen, so wird von einigen Historikern – darunter ehemalige Aktivisten der Bewegung – behauptet, seien allen Legenden zum Trotz in Wahrheit ihren Nazi-Eltern „schrecklich ähnlich“ gewesen: in ihrem Denken, in ihrem Handeln und in ihrer verhängnisvollen Neigung zu politisch motivierter Gewalt.

Im Spannungsfeld solcher Anwürfe und Kontroversen führte Karin Wetterau  mit beteiligten ZeitzeugInnen und InitiatorInnen der 68er-Bewegung. Sie erzählt die Geschichte einer rebellischen Generation, die  zwischen Geschichtslast und Geschichtslosigkeit nach neuen Wegen sucht und in der Revolte die historische Hypothek der NS-Vergangenheit abzutragen versucht. In ihrer Darstellung verknüpft sie biografische Skizzen, historisches Ereignis und politische Reflexion und wird sie im ersten Teil des Abends vorstellen.

Im Anschluss an die Lesung sollen im Gespräch mit der Bielefelder Historikerin Ingrid Gilcher-Holtey, die den Blick auch auf die parallelen politischen Ereignisse und Bewegungen in anderen europäischen Ländern richtet, diese Ergebnisse diskutiert und der Versuch einer historischen Einordnung gemacht werden.

Karin Wetterau, nach vielen Jahren im LehrerInnenberuf in den 1990er Jahren Lehrbeauftragte an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld, später Lehrerin im Hochschuldienst

Dr. Ingrid Gilcher-Holtey, Universität Bielefeld, Professorin an der Fakultät für Geschichtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte; zahlreiche Veröffentlichungen zu 1968 (zuletzt: A Revolution of Perception? Consequences and Echoes of 1968 )

Literaturhinweis:  Karin Wetterau: „68.Täterkinder und Rebellen. Familienroman einer Revolte“, Aisthesis Verlag, Bielefeld,  2017, 28,- Euro


Dienstag,   16. Mai 2017,    20 Uhr
Buchladen Eulenspiegel, Hagenbruchstr. 7, Bielefeld