Programm der Bielefelder Brecht Tage 2016

Donnerstag, 29. Sept. 2016  20 Uhr

Bürgerwache Siegfriedplatz, Rolandstr. 16, Bielefeld

VORTRAG / BILDER / REZITATION

„… die Kunst lehren, Bilder zu lesen“ – Bertold Brecht und der Krieg

Vortrag: Dr. Sabine Kebir, Berlin

Rezitation: Leonore Franckenstein, Schauspielerin, Bielefeld

Nach kurzer Begeisterung für den 1. Weltkrieg kam schon der Oberschüler Bertolt Brecht zu der Überzeugung, dass es weder süß noch ehrenvoll ist, für das Vaterland zu sterben. Die Sinnlosigkeit von Kriegen gehört dann zeitlebens zu den wichtigsten Themen seines lyrischen und dramatischen Schaffens.

Die Berliner Brecht-Expertin Sabine Kebir gibt eine Einführung in Brechts Antikriegswerke und stellt eines der wichtigsten davon anhand von Bildprojektionen vor: DIE KRIEGSFIBEL.

Sie entstand aus einer im Exil angelegten Sammlung von Zeitungsfotos über das globale Kriegsgeschehen 1939-1945.    Zu jedem der Fotos hat Brecht Vierzeiler verfasst.

In Kooperation mit:  BI Bürgerwache e.V., Siegfriedplatz, Bielefeld

————–

Donnerstag, 3. Nov. 2016   19:30 Uhr  (Eintritt: 8€ / erm. 5 €)

(Diese Veranstaltung findet aufgrund des großen Interesses – anders als ursprünglich angekündigt  – an einem anderen Ort statt.)

Neuer Veranstaltungsort:   Stadtbibliothek Bielefeld, Lesebühne, Neumarkt 1

LIEDERABEND

„Um uns selber müssen wir uns selber kümmern“ – Brecht und die DDR

Gina Pietsch, Gesang

Christine Reumschüssel, Piano

Mit sorgfältiger Recherche, mit intelligenter Präsentation und herausragender Intensität der Darstellung beeindruckt das Berliner Brecht-Interpretinnen-Duo.

Liedervortrag und Rezitation mit hochkarätigem Unterhaltungs- und Bildungswert!

Die DDR, das Land, in dem Brecht die letzten neun Jahre seines Lebens arbeitete. Unter dem Stichwort „Um uns selber müssen wir uns selber kümmern“ erregte Brecht schon früh den Argwohn der SED,  der führenden Partei der DDR. „Kein Führer führt aus dem Salat“ schrieb er. Die Brechtschen Binsenweisheiten aus seinem kleinen „Aufbaulied der FDJ“ von 1948 waren ein Stein des Anstoßes und der Beginn einer ärgerlichen Reihe von Querelen, besonders mit dem damaligen Berliner FDJ-Sekretär Erich Honecker, der Brecht in besonderer Weise Steine in den Weg legte bei dessen “ Mühen der Ebene“.

Diese reichen bis in die Buckower Jahre, in der die Natur nötiger wird zur Regenerierung der eigenen. Es sind schwierige Zeiten um den 17. Juni 1953 herum, die Anlässe genug zu Elegien geben. Buckower Elegien eben, in der DDR missdeutet, im Westen kaum verstanden.

Drei Jahre schreibt er dann noch, lehrt, inszeniert, organisiert, mischt sich ein in Politik, selten zur Freude der Herrschenden, macht Vorschläge, die hin und wieder angenommen werden, schafft ein neues Theater, das eine neue Gesellschaft befördern helfen soll und das Weltgeltung erzielt.

Im Mai 1956 lassen die Kräfte nach.

Die Macherinnen singen und erzählen davon in Pietsch`s 19. Brecht-Abend.

(www.ginapietsch.de)

 In Kooperation mit: Stadtbibliothek Bielefeld, Neumarkt 1, Bielefeld

———————

Dienstag, 8. Nov. 2016  20 Uhr        (Eintritt frei)

(Aufgrund einer universitären Verpflichtung von Frau Gilcher-Holtey findet dieser Vortrag anders als ursprünglich angekündigt eine Woche früher statt – nämlich am Dienstag, den 8.11.2016)

Buchhandlung mondo,  Elsa-Brändström-Str. 23, Bielefeld

VORTRAG und GESPRÄCH

Bertolt Brechts Eingreifendes Denken

Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey, Universität Bielefeld

Bertolt Brechts  ureigenstes Tätigkeitsfeld war das Theater. Er war Theatermacher und -theoretiker. Als intellektueller Kopf seiner Zeit entwickelte er eine entschiedene Vorstellung davon, was seine Rolle in der Gesellschaft sein könne.

Im Konzept des Eingreifenden Denkens verallgemeinert er diese Sicht auf die Aufgaben des Intellektuellen. Brecht entwickelte darin eine Interventionsstrategie, die Künstlern und Intellektuellen einen Weg zur Veränderung gesellschaftlicher Strukturen aufzeigen will. Der Zweck solle eine intellektuelle Gegenmachtbildung sein. Die beabsichtigte Veränderung von Einstellungen, Verhaltensdispositionen und politischem Handeln zielte darauf, die „heutige Welt“ als eine gewordene, „eine veränderbare Welt“ darzustellen. Dabei betonte er stets die Autonomie des künstlerischen Feldes. Diese Brechtsche Positionsbildung und -bestimmung stand oft im Gegensatz zu Forderungen nach entschiedenerem parteipolitischem Engagement, die von Seiten der wichtigsten Organisationen der kommunistischen Arbeiterbewegung, der KPD und später der SED, an ihn herangetragen wurden.

Dem schwierigen und widersprüchlichen Prozess der intellektuellen Arbeit Brechts zu diesem Thema widmet sich der Vortrag von Ingrid Gilcher-Holtey, Zeithistorikerin an der Uni Bielefeld.

In Kooperation mit der Buchhandlung mondo, Bielefeld

————

Dienstag, 22. Nov. 2016  19 Uhr

Kino Lichtwerk im Ravensberger Park, Bielefeld

FILM mit  EINFÜHRUNG

„Baal“, Regie Volker Schlöndorff

Einführung: Dr. Maria Kublitz-Kramer

Eine Verfilmung von 1969 des ersten Bühnenstückes von Brecht, mit: Rainer Werner Fassbinder, Hannah Schygulla, Margarethe von Trotta u.a. Musik: Klaus Doldinger

Baal ist ein junger und talentierter Dichter. Obgleich er von der großbürgerlichen Gesellschaft gefeiert und hofiert wird, verachtet er sie. Er schläft mit der Frau seines Gönners Mech und schwängert Sophie, die ihm aber schnell zur Last wird. Menschen, denen Baal begegnet, nutzt er schamlos aus – selbst seinen Freund Ekart, mit dem er mehrere Jahre durchs Land zieht und den er offen begehrt.

Baal ist Brechts erstes Bühnenstück, geschrieben 1918 im Alter von 20 Jahren. Baal ist eine überlebensgroße Projektion individueller Vitalität. Brechts eigenen Worten zufolge behandelt das Stück die gewöhnliche Geschichte eines Mannes, der in einer Branntweinschenke einen Hymnus auf den Sommer singt, ohne die Zuschauer ausgesucht zu haben – einschließlich der Folgen des Sommers, des Branntweins und des Gesanges – … Nicht die Verherrlichung nackter Ichsucht und schrankenloser Lebensgier eines asozialen Dichters ist das Thema des Stückes, sondern die Reaktion eines ungebrochenen Ich auf die Zumutungen und Entmutigungen einer Welt, die selber asozial ist.

Bei der Verfilmung durch den Regisseur Volker Schlöndorff  wirkten zahlreiche Personen mit, die seinerzeit kurz vor ihrem künstlerischen Durchbruch standen: Neben dem für Drehbuch und Regie verantwortlichen  Volker Schlöndorff   selbst sind dies insbesondere der Kameramann Dietrich Lohmann, der Filmmusik-Komponist Klaus Doldinger und in den Hauptrollen mit der einzigartigen Besetzung Rainer Werner Fassbinder, Sigi Graue, Margarethe von Trotta, Hanna Schygulla u.a.

Nachdem der Film nach der Erstaufführung im Fernsehen 1970 44 Jahre lang keine Aufführungsrechte besaß, wurde er auf der Berlinale 2014 in der Sektion special erstmals wieder gezeigt.

In Kooperation mit dem Kino Lichtwerk im Ravensberger Park, Bielefeld

————–

Montag, 5. Dez. 2016  19:30 Uhr     (Eintritt frei)

Foyer des Theaterlabors im TOR 6, Hermann-Kleinewächter-Str. 4, Bielefeld

 

AUTORIN- / THEATERGESPRÄCH

Brecht, Theater und Gesellschaft   – Wo steht das politische Theater heute?

Im Gespräch mit Bielefelder TheatermacherInnen ist die engagierte

österreichische Theaterautorin Kathrin Röggla, jetzt Berlin, zu Gast.

Politische Stoffe erleben im Moment eine Renaissance auf den Theaterbühnen. Zwischen Recherche-Produktionen im eigenen Haus, Dokumentartheater und mehr oder weniger gelungener Aufführungen klassischer gesellschaftspolitisch engagierter Stücke (u.a. auch Brechtscher Drama) bemühen sich Autorinnen und Autoren um den zeitgemäßen Zugang zur Politik für das Theater.  Dieses permanente Gespräch des Theaters mit dem Realen bildet derzeit auf Autorinnenseite wie keine andere die Österreicherin Kathrin Röggla ab. Sie gibt Auskunft über die verschlungenen Verbindungen von Ästhetik und Politik in ihrem Theater.

Daneben versuchen vielfältige pädagogisch motivierte Theatergruppen im Anklang an Brechtsche Lehrstücke lieber gute Sozialarbeit als schlechtes Theater zu machen. Das Spannungsfeld sei damit umrissen; die Debatte über Politik und Theater scheint dringender denn je.

———–

Samstag, 17. Dez. 2016   19:30 Uhr       (Eintritt: 8€ / erm. 5 €)

Bürgerwache Siegfriedplatz, Rolandstr. 16, Bielefeld

SZENISCHE LESUNG MIT SCHLAGWERK

projekt.:brecht!

Die Bielefelder Gruppe projekt.:brecht! interpretiert in ihrer Lesung Gedicht, Drama, Prosa von Bertolt Brecht aus den Jahren 1916 – 1956 mit theatralen und musikalischen Mitteln.

Aiga Kornemann (voc), Andreas Wenzel (voc), Jörg Hansen (dr),

Regie: Matthias Harre

In Kooperation mit:  BI Bürgerwache e.V., Siegfriedplatz, Bielefeld

anschließend: Finissage


Veranstalter:

Rosa Luxemburg Club, Bielefeld,
c/o Jupp Asdonk, Rosa Rosinski, Hermann Taube

www.rosa-luxemburg-club-bielefeld.de     www.bielefelder-brecht-tage.de

in Kooperation mit:

BI Bürgerwache e.V. (29.9.2016 und 17.12.2016), Stadtbibliothek Bielefeld (3.11.2016), Buchhandlung mondo, Bielefeld, (8.11.2016), Kino Lichtwerk im Ravensberger Park, Bielefeld, (22.11.2016)

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW e.V.