Theodor Bergmann – der Hundertjährige, der die großen Ziele nicht aus den Augen verloren hat.

Donnerstag, 14.04.2016:

1917 – 2017: Eine persönliche Zwischenbilanz der kommunistischen Bewegung

Vortrag und Diskussion mit

Prof. Dr. Theodor Bergmann

Ort: Bürgerwache Siegfriedsplatz, Rolandstr. 16, 33615 Bielefeld

Die vorläufige Bilanz der kommunistischen Bewegung ist widersprüchlich:
Der gegenwärtig dominante Antikommunismus setzt die große Menschheitsidee des Kommunismus mit dem Stalinismus gleich und ist seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion überzeugt, dass die Weltgeschichte mit einem endgültigen Sieg des Kapitalismus beendet sei. Dieser sei das einzige effektive Gesellschaftssystem, das allen Menschen Demokratie und Wohlstand bringe. Mit dieser Einschätzung liegen die Kritiker des Kommunismus offensichtlich verkehrt. Die weltweiten ökonomischen und sozialen Verwerfungen, regelmäßige Wirtschaftskrisen, Weltkrieg II und die zahllosen Kriege seither, die drohende ökologische Katastrophe, weltweite Migrationsbewegungen u.a.m. belegen: die marktwirtschaftlich organisierte Profitwirtschaft kann ihren Verheißungen nicht gerecht werden.
Vor fast hundert Jahren wurde die Oktoberrevolution von den damaligen Werktätigen weltweit begeistert begrüßt. Die Hoffnungen der arbeitenden Menschen galten dieser fundamentalen Veränderung des Bestehenden. Schon früh stellte sich Ernüchterung ein. Schlußendlich wurde das Ende des ersten Großversuches den Kapitalismus zu überwinden 1989/1990 besiegelt. Nach der Euphorie von 1917 folgt jetzt die Depression vieler Sozialisten.
Woran ist die Oktoberrevolution gescheitert? Was hat die kommunistische Bewegung bewirkt? Wie kann die große Menschheitsidee des Sozialismus wieder wirksam werden?
Was bleibt? Diese Fragen wird Theodor Bergmann zu beantworten versuchen.
Theodor Bergmann, aus einer weit verzweigten Berliner jüdisch-sozialistischen Familie stammend, floh vor der faschistischen Diktatur nach Palästina. Er gehörte zeit seines aktiven politischen Lebens zu den sog. kritischen Kommunisten der KPD-Opposition. Nach bewegter Nachkriegszeit hatte er von 1971 bis 1981 eine Professur für international vergleichende Agrarpolitik an der Universität Hohenheim. Er ist Autor, Herausgeber und Übersetzer von mehr als 50 Büchern zur Agrarpolitik und zur Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung.

mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung NRW e.V.